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LXIII.

Raik träumte und teilte, ohne es zu wissen, die Bilder mit Anna.
Die letzten Jahre seines menschlichen Lebens zogen an ihm vorbei.
Er sah seine geliebte Mutter. Seinetwegen hatte sie es nicht leichtgehabt.

Im unerfahrenen Alter von siebzehn hatte sie sich mit einem zwielichtigen Piraten eingelassen.
Anfangs war es unbemerkt geblieben, aber als ihr Leib sich wölbte und niemand sich zur Vaterschaft bekannte,
wurden sie und ihr Vater von der Dorfgemeinschaft verstoßen.
Auch später fasste es keiner der jungen Burschen ins Auge, sie zu ehelichen.
Ihr Vater, sein Großvater, veranlasste testamentarisch, das beide seine Erben waren. So konnte Raiks Mutter ihr Kind
der Schande nahezu unbemerkt im alten Wachturm an der Küste großziehen.

Sie liebte ihren Sohn trotz allem sehr.
Aber das Leben war hart und sie alterte schnell.
Anfangs verkaufte sie bis auf ein einziges Stück den Schmuck ihrer Mutter.
Später folgten die Waffen ihres Vaters, kostbare Gemälde und Möbel, um ihren Sohn und sich über die Runden zu bringen.

Auch bestellte sie unter größten Mühen den Garten.

Der Boden war karg.

Er half seiner Mutter, wo er nur konnte. Niemand im Dorf hatte ihn als Lehrburschen nehmen wollen.
So hatte er sich alles mühsam aneignen müssen.
Und dann eines Nachts, war er wieder zurück.
Ihr dunkler Pirat.

Raik war schon fast erwachsen, ein blonder Flaum wuchs ihm seit kurzem.
Nun saß er staunend, aber misstrauisch seinem Erzeuger gegenüber.

In den Augen seiner Mutter las er die Hoffnung, das nun alles gut werden würde.

Sie bewirtete ihn, als sei er nur kurz fortgewesen.

Das sollte das einzige Mal sein, das sie wie eine Familie zusammensaßen.

Spät abends bat seine Mutter ihn, zu Bett zu gehen.
Widerstrebend begab er sich zur Ruhe. Er hatte ein ungutes Gefühl dabei,
seine Mutter allein mit dem für ihn Fremden zurückzulassen.

Am nächsten Morgen war sein Erzeuger verschwunden.
Raik fand seine blutüberströmte Mutter tot auf ihrem Bett.
In tiefer Trauer schaufelte er ihr Grab neben seinen Großeltern.

Er würde sie rächen. Das schwor er sich.

In seinem jetzigen schmächtigen Zustand würde er nichts gegen seinen Vater ausrichten können.
Darum trainierte er von nun an täglich stundenlang mit den Äxten seines Großvaters.
Eines Tages würde sein Vater zurückkommen und er würde bereit für ihn sein.

Die Jahre vergingen, sein Körper kräftigte sich
und als er nicht damit rechnete, kam er zurück.
Er überraschte ihn im Schlaf.
Das letzte, was Raik als Mensch sah, war,
das seinem Erzeuger Reißzähne aus dem Mund wuchsen.

Als fast kein Blut mehr in ihm war, fragte er nur:
Warum?
Weil du mein Sohn und Nachfolger bist.
Überlebe und halte dich bereit. funkelten ihn die grausamen Augen an.
Dann wurde alles schwarz um Raik.
Er war tot.


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