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LXII.



Sie stoppte erst, nachdem der schroffe Befehl ihres Vaters sie aufschreckte:


HÖR AUF! Du bringst ihn um!

Hastig sprang sie auf und drehte sich von Raik weg.

Sie schämte sich in Grund und Boden.
Was war da nur über sie gekommen?

Geh ins Bad und wasch Dich! hörte sie ihren Vater das erste Mal in ihrem Leben etwas streng zu ihr sagen.
Erschrocken über ihr blutverschmiertes Gesicht starrte sie in den Spiegel.
Da sie nur zur Hälfte ein Vampir war, besaß sie ein Spiegelbild.

Beschämt wusch sie die blutigen Spritzer ab. Ihr Verhalten war ihr unerklärlich, noch nie hatte sie so die Kontrolle verloren.
Gut, sie hatte auch noch nie über soviel Kraft und Ausdauer verfügt. Dauererschöpfung war bisher ihr einziger Zustand gewesen.
Ähnlich der, die sie jetzt verspürte.
Aber es war nicht ihre eigene.
War das etwa das was .....?
Anna brauchte einen Augenblick, sich zu sammeln und das Wissen zu verarbeiten.

Raik.....

Sieh lieber nach Deiner Tochter, ich lege mich hin.
Richard mußte Raik beim Aufstehen stützen.

Sie kommt zurecht. Brauchst Du Hilfe?
Nein, geh nur! Wir reden morgen........ kraftlos wankte er zu seinem Zimmer.

Er nahm nicht wahr, das Anna gerade aus dem Bad zurückkam.
Mehr taumelnd als gehend schaffte er es bis zu seinem Bett.

Blut..... er brauchte Blut......

Der Infusionsständer war bereit, er mußte nur noch die Nadel in seinen Arm........

..........nur nicht an Blut denken....... so nahe und doch für ihn unerreichbar........
Raik dämmerte weg.
Die Tür öffnete sich und Anna trat besorgt ein.

Schnell schätzte sie Raiks Lage ein und nahm die Dinge in die Hand.
Sie war geübt darin, die richtige Ader zu treffen. Marie hatte es ihr beigebracht.

Einige Minuten tropfte das Blut stetig in den Schlauch. Erleichtert bemerkte Anna,
das Raiks Gesicht wieder einen Hauch von Farbe annahm.
Danke. murmelte er schwach.
Bedank Dich nicht dafür! entgegnete Anna bitter.
Ich muß Dir danken und mich entschuldigen. Es tut mir leid, ich hätte nicht so rücksichtslos sein dürfen!
Schon gut.....

Nein! Ist es nicht! So bin ich nicht. schluchzte sie.
Wenn ich gewußt hätte, was es bei Dir auslöst.........
Unwichtig, geh jetzt..... unterbrach er.
Ich habe Vater weggeschickt. Ich will nicht, das Du alleine bist, falls Du etwas brauchst.
Ich bin nicht allein. Ich lebe hier zusammen mit einer Freundin.
(die mir auch nicht gegen meine Einsamkeit helfen kann)
den Rest fügte er nur in Gedanken hinzu.
Sie wird mir helfen.
Zweifelnd blickte Anna ihn an, unsicher war sie im Raum auf- und abgelaufen.
Du bist müde, ich entferne die Nadel, dann kannst Du schlafen.

Mach was Du willst......... wehrlos schloss er kurz die Augen.

Wie aus weiter Ferne spürte er, das ihn jemand zudeckte.
Anna war aufgekratzt. Über soviel Energie hatte sie noch nie verfügt. Sie sah sich in dem düsteren Zimmer um.
Unter dem Bett lugte ein Buch hervor.

Neugierig blätterte sie darin.
Das war interessant. Sie legte sich neben den Schlafenden und las.

War das eine Art Tagebuch oder eine Sammlung von Vampirlegenden?

Sie war so vertieft, das sie erschrak, als Raik sich keuchend aufrichtete.


Zitterte er? Ganz wach war er nicht, also drückte sie ihn behutsam in die Kissen zurück und schlüpfte neben ihn unter die Decke.

Beruhigend strich sie über seinen Arm.

Als er wieder fest eingeschlafen war, schloss sie ebenfalls die Augen.

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