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LX.

Pünktlich um Mitternacht war Richard zur Stelle.
Sein Entsetzen über Richards schlechtes Aussehn ließ sich Raik nicht anmerken.
Er hatte erschüttert festgestellt, das sein Freund seit ihrem letzten Treffen vor einigen
Jahrzehnten um ebendiese gealtert war.
Wie war das möglich? Seine Art alterte nicht. Ab dem Zeitpunkt der Verwandlung stoppte der Prozess.

Leg ihr einen Brief hin, das Du einige Tage weg sein wirst und Dich morgen Abend bei ihr meldest.....
drängte der gealterte Vampir.

Richard, sie wird einen Infarkt vor Sorge bekommen, das kann ich nicht einfach so machen.

Dann ruf Dein Mündel an, sie soll sich um Amelia kümmern. Ich würde Dich nicht bitten,
mich auf der Stelle zu begleiten, wenn es nicht um Leben und Tod ginge.
Schreib ihr ein paar Zeilen und ich packe ein paar Deiner Sachen.......

Nein, erzähle es mir jetzt!
Amelia wird uns nicht hören, sie legt vor dem Schlafengehn immer ihr Hörgerät ab.

Richard sah verdammt müde, traurig und ernst aus, das war Raik sofort aufgefallen.
Dazu kam die Frage, warum er so stark gealtert war. Raik hatte noch nie davon gehört.
Nicht einmal menschliche Krankheiten konnten Vampiren etwas anhaben. Das wußte er sicher.
Es gab nur wenig, das ihnen schadete: starker Blutverlust, Gift, eine hohe Dosis Sonnenlicht, Silberkugeln
und Enthauptung. Die letzten drei waren tötlich- Ende des Vampirs.
Was konnte Richard sich von ihm in seinem jämmerlichen Zustand erhoffen? Er kam einfach nicht dahinter.

Dann fang an alter Freund.

Also gut, seufzte Richard. es brennt mir schon lange auf der Seele.
Ich habe eine Tochter. Sie ist krank und wartet draußen.


Sie braucht Dein Blut.

Raik ließ kurz Richards Worte auf sich wirken.

Du meinst eine Fangtochter?
Seine leiblichen Kinder, wenn er je welche hatte, mußten so vor 400 Jahren gelebt haben..........

Nein, ich habe eine leibliche Tochter. Sie ist zur Hälfte menschlich.

Das ist unmöglich!

Das dachte ich auch, als mir ihre Mutter gestand, schwanger zu sein.
Es ist nur fast unmöglich.......

Wie alt ist sie jetzt?

Nach unserer Art ist sie knapp durch die Pubertät gekommen, nach menschlichen Maßstäben
sieht sie mindestens 30 Jahre jünger aus, als sie dürfte.
Ihre Entwicklung ist stehengeblieben und ich muß mit ansehen, wie sie als Knospe dahinwelkt.
Du bist nach mir der älteste Vampir, den ich kenne und dem ich genug vertraue. Dein Blut ist stark. Meins verträgt sie nicht.
Raik, ich weiß nicht mehr weiter......... ich liebe sie und habe ihr all das angetan und kann ihr nicht helfen......
Richards Stimme brach.

Raik versuchte erschüttert, das gehörte zu verarbeiten.
Einige Minuten herrschte Schweigen.

Du willst also versuchen, ob sie mein Blut verträgt und ihr hilft?
Dieses verdammte Gift von Lilliane ist noch in mir.

Das soll Anna selbst entscheiden. Wenn sie es riskieren will, soll sie die Möglichkeit haben.
Wenn Du einverstanden bist natürlich.

Aber was ist, wenn sie mein Blut nicht verträgt? Könnte sie daran sterben? Ich will nicht Schuld am Tod Deiner Tochter sein!

Ach Raik, so oder so ist sie jetzt schon halbtot. Sie will so nicht weiterleben.
Was ich auch verstehen kann. Das wahre Leben zieht an ihr vorbei und sie ist zu schwach, daran teilzunehmen. Ich werde Dir keine Vorwürfe machen, falls es dazu kommt.

Kann ich mit ihr reden?

Ja, darum habe ich sie mitgebracht. Ich hole Anna.

Hoffnung glomm in seinen Augen auf.

Würde er wirklich Richards Tochter an seinen Hals lassen? Er war sich im Zweifel, ob das gut ausgehen würde.
Was, wenn sie sein Blut wirklich nicht vertrug und starb?
Er mußte es von ihr selber hören, das sie sich über die Konsequenzen im Klaren war.

 



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