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V.
Amelia war bestürzt. Das Mädchen mußte Schlimmes durchlebt haben.
Sie wirkte verwahrlost und abgemagert.
Ihr Körper war von älteren und frischen blauen Flecken und Prellungen übersät.
Sie hatte das arme Ding aus den nassen Lumpen gepellt und es so gut es eben ging gewaschen.
Sie deckte sie zu und stopfte die Decke fest.
Als sie fürs Erste versorgt war, betrachtete sie das Mädchen.
Sie konnte höchstens siebzehn Jahre alt sein.

Sie durchsuchte die Taschen der klammen Kleidung nach einem Hinweiß auf den Namen der Ohnmächtigen.
Nichts, keine Brieftasche, Geldbörse oder wenigstens ein Schnipsel Papier. Entweder hatte sie ihre Tasche verloren
oder da hatte jemand anderes gründliche Arbeit geleistet.
Aber Moment, war da nicht ein Silberkettchen an ihrem Fußgelenk gewesen?
Sanft hob sie die festgestopfte Decke und sah nach. An ihrem linken Knöchel war ein Fußkettchen in das das Wort
KATTA als Schriftzug eingearbeitet war.
.....KATTA............war das ihr Name oder eine Abkürzung für Katharina?
Zu Hause würde sie Raik bitten, sich in die Vermisstenmeldungen der Polizei einzuhacken.
So etwas widerstrebte ihr normalerweise, aber hier handelte es sich eindeutig um einen Notfall.
Aber zu allererst suchte sie warme Wollsocken aus der Kommode, das Mädchen hatte eiskalte Füße.
Sie zog sie ihr an und schlurfte mit müden Schritten ins Nebenzimmer zum Feuer.

Der Kessel war immer mit Wasser gefüllt.
Sie schwenkte ihn über die Flammen.

Die Tür zu ihrem Zimmer hatte sie aufgelassen, so konnte sie hören, ob das Mädchen aufwachte und die Wärme des Feuers konnte hinein.

Sie wachte erst am nächsten Mittag kurz auf. Amelia flößte ihr Wildbrühe ein.
Das arme Ding war nicht in der Lage zu sprechen, obwohl sie sich bemühte.
Aus ihrem Hals kam nur ein heiseres Krächzen.
Amelia sprach beruhigend auf sie ein und versicherte ihr, das ihr nicht passieren könne.
Erschöpft schlief sie wieder ein.

Abends, nach Einbruch der Dunkelheit, trug Raik sie ins Auto.
Amelia hatte ihr mit Raiks Hilfe einen alten Hausanzug von sich übergezogen.

Sie verschlief die Fahrt in die Stadt genauso, wie den Rest der Nacht.

Kannst Du in ihre Gedanken eindringen?

Sie hatten das Waldgebiet hinter sich gelassen.

Nein, ich konnte nur ihre Angst wittern.
Dadurch habe ich sie gefunden. Raik warf seiner mütterlichen Freundin einen ratlosen Blick zu.
Es geschah nur selten, das er die Gedanken von Menschen nicht lesen und beeinflussen konnte.

Er kramte in seiner Hosentasche, ohne die Landstraße aus den Augen zu lassen und reichte Amelia sein Handy:
Ruf Henry an, er soll sie sich gleich ansehen.

Sie würden in einer Stunde da sein und er war sich nicht sicher, was mit dem Mädchen werden sollte.

Falls sie in ein Krankenhaus müßte, würde er die Kosten anonym übernehmen.
Henry würde den Papierkram diskret für ihn regeln.

Amelia erreichte ihren Neffen und schilderte den Zustand des Mädchens.
Er versprach, da zu sein, wenn sie ankamen..........

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