Hauptmenü

 

I.

 Raik trat aus seinem Schlafzimmer.

Hallo Amalia! begrüßte er eine ältere Frau,
die lesend in einem gemütlichen Ohrensessel saß.
Eine altmodische Leselampe auf einem Tischchen
neben ihr spendete Licht. Lächelnd sah sie auf.

Oh Raik,.......ist es schon wieder so spät?
Entschuldige, ich war ganz in die Geschichte vertieft........

Raik setzte sich in einen anderen Sessel und
blickte sie forschend an:

Und was hat der Spezialist gesagt?

Amalia seufzte und legte ihr Buch zur Seite.
Sie hatte ihr schönes handgesticktes Lesezeichen verlegt.

Das was ich erwartet hatte......

nach einer kleinen Pause fuhr sie fort:

Ach mein Junge, Du mußt Dich an den Gedanken gewöhnen.
Ich werde nun Mal nicht ewig leben........
und nicht annähernd so lange wie Du.

Sie drückte liebevoll seine kalte starke Hand.

Hast Du Dich nach einem Nachfolger für mich umgesehen?

Raik schüttelte mit zusammengekniffenen Lippen den Kopf.
Wie lange hatte Amalia ihn schon darauf vorbereitet
und nur um diese eine Sache gebeten?
 Zehn Jahre?
Er wollte nicht, das sie ihn verließ oder starb.
Die letzten fünfundfünfzig Jahre mit ihr waren
die schönsten und friedvollsten gewesen, die er
seit 1633 erlebt hatte.
Sie hatte ihn von der Straße geholt, ihn umsorgt und
ihm ein Heim geschaffen.
All die Jahrhunderte zuvor hatte er als Nomade und
Gejagter gelebt.
Und nun?
Ihr Leben neigte sich unaufhaltsam dem Ende zu
und sie wußte es.
Für sie waren es noch ein paar Jahre,
aber für ihn nur ein Wimpernschlag.
Das einzige Geschenk, was er ihr hätte machen können,
um es zu ändern, lehnte sie ab.
Sie hatten stundenlang, ja tagelang darüber diskutiert,
schon als sie noch wesendlich jünger war.
Aber es lief immer auf dasselbe Ergebnis hinaus,
sie hatte diese Möglichkeit immer abgelehnt.

Raik, Du brauchst jemanden!
Ich will nicht, das Du allein zurückbleibst.
Ich könnte nicht mit ruhigem Gewissen gehen.
Wenn Du niemanden suchst, tue ich es!

Traurig lächelte er sie an.

Dann versuch Dein Glück.
Ich habe mich umgesehen, aber da ist niemand,
der in Frage kommt.

Er grinste verlegen.

Du hast mich zu sehr verwöhnt, meine Liebe.......

Ich finde schon jemanden, verlaß Dich darauf.
Aber nun lass uns zur Hütte fahren. Du mußt jagen.
Die Blutkonserven sind fast aufgebraucht.
Der Antiblutgerinner ist schon in der Kühlbox
und wir können aufbrechen.

Raik umarmte Amelia.
Sie war für ihn wie eine Mutter und er liebte sie genauso.
Ihm graute vor dem Tag, an dem sie ihn verlassen würde.
Aber so war das nun einmal bei Menschen.
Ihre Zeit war sehr begrenzt.

 



nach oben


nPage.de-Seiten: http://the-resurrection.npage.de/ | PS3 Trophy Hunters